Ich möchte jetzt zwar nicht sagen, dass „Whirl Tour“ für die Sony Playstation 2 den berühmten „Griff ins Klo“ darstellt, aber so wahnsinnig weit davon entfernt ist dieses unterdurchschnittliche Sportspiel nicht. Das hat nichts damit zu tun, dass es sich um ein einsteigerfreundliches Game handelt, dem offensichtlich jeder Anspruch zu fehlen scheint, da es primär auf die jüngere Zielgruppe zugeschnitten sein dürfte, nein, vielmehr hapert es auch an ganz anderen Dingen, die elementare Bestandteile eines Videospiels verkörpern. Zwar ist es möglich, mit einem Gleichgesinnten sich im Splitscreen-Modus zu duellieren, aber angesichts der latenten Schwachpunkte kann auch die Berücksichtigung jenes Zweispielermodus diesen PS2-Titel nicht vor dem Absturz in untere Spielspaß-Gefilde retten.In diesem ungewöhnlichen Sportspiel existiert sogar eine Art Story, was in diesem Genre ja eher selten vorzufinden ist. Wenig überraschend ist diese jedoch nahezu belanglos, doch nicht unerwähnt bleiben soll zumindest, dass ein durchgeknallter Wissenschaftler eine sechsköpfige Musikgruppe gekidnappt und jedes einzelne Bandmitglied in einen Skateboard-Park gesperrt hat. Noch Fragen? Ich denke kaum. Jedenfalls dürfen wir uns eine der sieben zur Auswahl stehenden Spielfiguren auswählen, um jene ach so bedauernswerten Musiker aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Also schnappen wir uns in der Folgezeit, unser eigenes Board und brettern los. Selbstverständlich steht hier die unbeschwerte Action im Vordergrund, es schließlich soll es sich bei „Whirl Tour“ (auf deutsch in etwa „Wirbeltour“) um ein Fun-Sportspiel handeln. Dass es mit dem „Fun“ bereits mittelfristig nicht so wahnsinnig rosig aussieht bzw. die Gute-Laune-Grundstimmung schnell flöten geht, hat mehrere Gründe.Die einzelnen Missionen pro Spielabschnitt verlangen Dinge wie das Aufstellen eines Punkterekordes durch entsprechende zahlreiche spektakuläre Manöver, das Surfen auf Geländern oder das kompromisslose Rammen bestimmter Objekte (wie beispielsweise Telefonzellen), welche Euren Weg kreuzen. Dabei unterliegen wir einem strengen Zeitlimit (drei Minuten ist der Regelfall), welches wir bei der Bewältigung der uns aufgetragenen Aufgaben keinesfalls überschreiten dürfen. Obwohl der Schwierigkeitsgrad - angesichts der Zielgruppe erwartungsgemäß – niedrig ist, gibt es den ein oder anderen Punkt, über den wir uns ärgern müssen.Insbesondere die Steuerung unseres Skaters – ganz gleich, welchen wir ausgewählt haben – macht uns des Öfteren zu schaffen. Sie ist schlichtweg unpräzise und das nervt mit zunehmender Spieldauer ganz gewaltig. Dachten wir anfangs noch, dass dies an uns liegen könne und wir eine längere Eingewöhnungsphase bräuchten, um Figur plus Spezialtricks zu beherrschen, so merken wir schon sehr bald, dass es vielmehr am Handling an sich hapert: die unzähligen – sicher weit über 50 – möglichen akrobatischen Einlagen gehen ganz und gar nicht leicht von der Hand, oft landen wir nach dem Absprung von einer Treppe, einem Geländer, der Bordsteinkante oder was auch immer einfach einen Tick weiter links oder zu weit rechts, was natürlich fatale Auswirkungen im Hinblick auf die Ausführung unserer Stunts hat. Die Landung an sich stellt dabei nicht das Hauptproblem dar, wir produzieren kaum schmerzhafte Abgänge, da diese ganz simpel ausgefallen sind und selbst verzögerte Reaktionen unsererseits meistens noch gnädig verzeiht. Da hilft uns auch der Turbo nicht weiter und selbst die Extras, die wir uns unterwegs einsacken können und u.a. dafür sorgen, die Balance auf dem Brett zu verbessern, können dies nicht aus der Welt schaffen. Zudem stört der Mangel an realistischer Fahrphysik (oder auch Rollphysik), denn ganz gleich, ob Ihr das Geländer rauf oder runter brettert: das Tempo bleibt gleich. Schon seltsam.Irgendwann haben wir es im Regelfall allerdings doch hinbekommen, doch besonders stolz sind wir dann nicht darauf. Zufallsprinzip, Glück und leichter Schwierigkeitsgrad sind nicht gerade die Zutaten, welche für ein spannendes Gameplay sorgen können. Demzufolge sind wir auch gar nicht (mehr) sonderlich motiviert, die Schlüssel einzusammeln, welche uns den Weg zu bis dato geheimen Abschnitten ebnen. Aber da wir – meistens – das brav zu Ende führen, was wir angefangen haben und das Ganze aufgrund der niedrigen Anforderungen ohnehin nur (sehr) wenige Stunden dauern dürfte, machen wir weiter. Am Ende eines Levels wartet eine Art Bossgegner, die aber allesamt – zumindest meiner Erinnerung nach – den Namen eigentlich nicht verdient haben. Ziel ist es, diesen chronisch übelgelaunten Schergen mit besonders hohen Sprüngen mehrfach auf die Rübe zu springen, um diese endgültig ausknocken zu können. Ein halbwegs spaßiges Wettrennen auf einer speziellen Piste mit dem frisch befreiten Kumpel lockert die ansonsten doch recht eintönige Atmosphäre zumindest etwas auf. Alles in allem dominiert aber die Langeweile, die Motivationskurve dümpelt quasi vom Start weg in unteren Regionen vor sich hin, die ersten Gähnattacken lassen nicht lange auf sich warten.In erster Linie ist es erstaunlich, dass sich die Zielobjekte, welche wir in einer Mission unbedingt ausfindig machen müssen, kinderleicht zu entdecken sind. Dass diese nicht von alleine auf uns zugeschossen kommen, ist eigentlich schon alles. Um an die erwähnten Punkterekorde zu kommen, braucht es - ironischerweise – gar keine wilden Stunts en masse, ohne großen Aufwand sind diese aufgestellt. Da die dickeren Gegner auch noch praktisch im Vorbeigehen ausgeschaltet werden können – sie verfügen über zwei, maximal drei Angriffsvarianten - kann man nicht unbedingt von einer prickelnden Spielatmosphäre reden. Spannung? Ein Fremdwort. Langeweile? Die ist konstant angesagt.Auch die Präsentation von „Whirl Tour“ kann da nicht mehr viel retten. Ganz im Gegenteil, diese passt sich der unausgegorenen Spieltechnik und dem faden Gameplay „ganz hervorragend“ an. Die Unterdurchschnittlichkeit zieht sich somit praktisch wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel. Mag man die knallbunte Comic-Optik mit ihren großen Figuren und der ein oder anderen ganz gelungenen Animation noch als PS2-Durchschnitt durchgehen lassen, so bin ich von der Soundkulisse deutlich enttäuscht. Da muss bei einem Fun-Sportspiel einfach wesentlich mehr kommen als 08/15-Gedudel im Hintergrund und abwechslungsarme Soundeffekte, die sich schon nach wenigen Minuten ständig wiederholen. Dadurch wird die Langeweile nur noch verstärkt. Nett, dass im Übrigen an deutsche Bildschirmtexte gedacht wurde, doch 16:9-Format oder eine höhere Auflösung durch die Unterstützung des 60-Hertz-Modus? Fehlanzeige. Schade aber auch. Dass eine englische Sprachausgabe sich die Ehre gibt, ist grundsätzlich zu begrüßen, doch besonders beeindruckend ist diese wiederum auch nicht. An Surround-Klänge wurde nicht gedacht, eine entsprechend daraus ausgerichtete Anlagen braucht Ihr demzufolge gar nicht erst einschalten.Festzuhalten ist, dass die Steuerung nicht ausgefeilt ist. Die Grafik mag noch so halbwegs durchschnittlichen Ansprüchen genügen, der Sound allerdings nicht mehr ganz. Der Schwierigkeitsgrad ist zu niedrig und der Spielverlauf glänzt – bis auf wenige Ausnahmen – nicht gerade durch Abwechslungsreichtum. Im Fall von „Whirl Tour“ handelt es sich um einen PS2-Titel, welcher offensichtlich schamlos auf der Skateboard-Welle im MTV-Zeitalter mitschwimmen wollte. Möglicherweise ist das sogar bei der (!) Zielgruppe trotzdem gelungen. Spielverlauf, Spieltechnik, Präsentation und Langlebigkeit sind jedenfalls vergleichsweise mies, meine Spielspaßwertung kreucht und fleucht bei schlappen 41% herum.PLUS ---> Für die Zielgruppe möglicherweise trotzdem ein Fun-Spiel, schließlich brettern wir auf Boards durch die Walachei, etwas unterhaltsamMINUS ---> Ungenaue Steuerung, langweiliger Spielverlauf, 08/15-Comic-Optik, müder Sound, anspruchslos, zu leicht, nicht motivierend