"Die Welt des Wechsels" ist der dritte Teil des 12 bändigen Romanzyklus "Tanz zur Musik der Zeit". Er beginnt mit einem Treffen Nick Jenkins, dem Protagonisten, mit seinem Onkel Gil, der ihm überraschender Weise seine neue Freundin, die Esoterikerin Myra Erdleigh, vorstellt. Sie legt beiden die Karten, mit dem Ergebnis, dass Nick sich im Leben "mehr anstrengen" soll.Nick hat seinen ersten Roman veröffentlich, der Erfolg bleibt noch aus. Das sorgt ihn aber nicht sehr, denn es ist Anfang der 30er Jahre, Weltwirtschaftskrise, und einige seiner Freunde mussten Einbußen hinnehmen - nicht jedoch sein College Kumpan Widmerpool, der erfolgreich in der Finanzwelt Fuß gefasst hat. Was Nick mehr beschäftigt, ist die Suche nach einer Frau. Da kommt es gerade recht, dass bei einem Treffen mit seinem alten Freund Members im Ritz dessen Frau, das Model Mona, ihre ebenfalls sehr hübsche Schwester Jean im Schlepptau hat...Der Titel ist nicht nur eine Anspielung auf Widmerpools Geldwechsel Geschäfte, sondern auch auf den Wechsel, der zu der Zeit in der politischen Anschauung der Freunde und in deren Privatleben stattfindet: Manche Ehen sind bereits wieder geschieden, Partner und Häuser werden gewechselt und auch um Templers Ehe steht es nicht gut, besonders, nachdem durch Nicks Schuld die Bekanntschaft mit dem linken Intellektuellen Quiggin an jenem Abend im Ritz erneuert wird.Mir hat dieser Roman noch besser gefallen, als der zweite Teil, da hier mehr überraschendes passiert, er kurzweiliger ist und mit mehr Zeitkolorit gespickt ist (Die Schwestern Jean und Mona sehen sich doch tatsächlich den deutschen Film: "Mädchen in Uniform" im Kino an!) Geradezu köstlich sind Nicks Ideen und Beobachtungen; ich wusste vor Powell nicht, dass man in der englischen Sprache so lange Sätze formulieren kann.
Anthony Powell hat hier einen ganz wunderbaren zwölfteiligen Romanzyklus geschrieben, der das Leben des Protagonisten Nick Jenkins nachzeichnet. Dabei gelingt ihm nicht nur ein Sittengemälde Englands nach 1900, sondern auch die Biographie eines erlebnisreichen Lebens. Witzig, klug, unterhaltsam, spannend ... man will am liebsten alle zwölf Teile in einem Rutsch lesen! Dumm nur, dass dann alles viel zu schnell zu Ende wäre! Man sollte sich tatsächlich auch von Teil 1 an vorarbeiten. Es lohnt sich!