Wenn man Regeln wie „bringe deinen König in Sicherheit“, „entwickle deine Figuren“ oder „übe Druck auf das Zentrum aus“ beachten würde, hätte man keine Probleme in der Eröffnung. Nur so einfach ist es nicht. Schon der Schauspieler Hans Söhnker wusste, dass es bei einer Liebeserklärung genau so ist wie bei einer Eröffnung im Schach – die Konsequenzen sind unabsehbar. Um dem vorzubeugen, gibt es das von Gerd Treppner (1956-2009) verfasste „Testbuch der Eröffnungsfallen“, das nun in der vierten Auflage vorliegt. Der Autor war FIDE-Meister sowie Schachjournalist und wurde mit dem SC 1868 Bamberg zwei Mal Deutscher Meister und ein Mal Deutscher Pokalsieger. Treppner hat sich der Eröffnungsfallen in spielerischer Weise genähert, wobei der Begriff Eröffnungsfallen sehr dehnbar ist. Gerne würde jeder Schachspieler über die Kunst der Tricks verfügen, um den Gegner schon zum Auftakt aufs Glatteis zu führen. Mit dem Testbuch kann man sich dagegen ein großes Stück weit wappnen. Geboten werden insgesamt 120 Aufgaben-Diagramme, jeweils zwei auf einer Seite, mit denen man sich anschaulich in das Thema vertiefen kann. Zur Auswahl stehen bei den einzelnen Aufgaben immer drei Antworten – so wie bei einem Führerscheintest. Damit kommt auch Unterhaltung in das lehrreiche Spiel. Für jede Aufgabe gibt es Punkte, die sich nach drei Kriterien richten: Stellungsbewertung, die Korrektheit der Lösung und eine turnierpraktische Komponente. So kann man nach den Lösungen über die Punktzahlen anhand einer Elo-Liste sehen, wo man steht. Dies reicht von Anfänger bis Weltmeisterniveau. Allerdings, so heißt es im Vorwort, müsse man diesem Punktesystem mit Vorsicht begegnen, es diene eher der Motivation zur Lösung der einzelnen Aufgaben. Arbeitet man sich durch das Buch Seite um Seite vor fällt auch auf, dass sich das Thema über die Fallstricke hinaus ausdehnt, und dass es auch zahlreiche strategische und kombinatorische Eröffnungsfälle gibt, die man lösen kann. Somit dient das Buch nicht nur dem fortgeschrittenen Amateur, sondern ist als Lehrbuch auch für Klubspieler der unteren und mittleren Klassen gedacht.Fazit: Der Titel „Testbuch der Eröffnungsfallen“ hört sich etwas spektakulär an, dahinter verbirgt sich allerdings ein Buch, das vielen Schachspielern in einer entscheidenden Spielphase weiterhelfen kann.