Die Geschichte selbst hat für mich 5 Sterne verdient, bei den Zeichnungen würde ich eher 4 Sterne geben. Das liegt vor allem daran, dass mir die einzelnen Figuren zu schwarz gehalten sind. Die Schattengebung ist zwar gut gemeint, wirkt aber sehr dominant und hat teilweise auch einen bedrohlichen Charakter. Dafür sind aber die Zeichnungen und die Farbwahl an sich sehr abwechslungsreich. Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven wird hier gezeigt, wie die kleine Ameise ein Geschwisterchen - nämlich ein Brüderchen - bekommt und dadurch in arge Nöte gerät. Denn nun ist die Welt plötzlich ganz anders und die kleine Ameise muss sich sehr um den kleinen Bruder kümmern, auf ihn aufpassen und ihn sogar mit zum Spielen mitnehmen... Und so lässt die kleine Ameise den kleinen Bruder etwas abseits stehen mit einer vermeintlich wichtigen Aufgabe. Doch als plötzlich Gefahr, ja sogar Lebensgefahr für die kleine Ameise besteht, da entpuppt sich der kleine Bruder als wahrer Retter in der Not. Faszinierend ist in dem Bilderbuch, dass hier Schnecke, Libelle, Grashüpfer, Spinne, Bienenfresser und Kellerassel vorkommen, die wohl so in dieser Kombination noch nicht in einem deutschsprachigen Bilderbuch gemeinsam aufgetreten sind. Bei den Zeichnungen selbst ist die Vielfalt der Gestaltung wohltuend. So spielt die Illustratorin mit Sprechblasen, Bewegungsstrichen und setzt Aquarell- und Pastelltechnik gleichermaßen ein. Für Kinder wird wohl besonders die "Miniatursicht" ansprechend sein, befinden sie sich doch auch oft in einer für sie übergroß dimensionierten Welt. Der türkische und deutsche Text ist auf jeder Seite klar positioniert. Eine Geschichte, die sich besonders für Familien mit Nachwuchs eignet und in Kindergärten und Vorkursen viele Möglichkeiten der sprachlichen Einübung eröffnet.