Ein Buch, das um das klassische Weimar mit seinem Zentrum Goethe kreist. Wer einen Führer zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt sucht, muss anderswo Ausschau halten. Koch streift in weiten Teilen seines Textes über die Friedhöfe der Stadt, verweilt bei den Gräbern der Größen, um ihr Leben und ihren Einfluss zu bedenken. So wird die Gesellschaft aus Goethes Zeiten sichtbar, ihre großen und kleinen Akteure, auch ihre Auswirkungen bis in unsere Zeit hinein, wo sich die Erben mühen, den Glanz der Vorväter zu bewahren. Der Autor hält sich nicht sklavisch bei Einzelaspekten auf, sondern lebt die "literarische Freiheit" in der Weise, dass er das Beobachtete zum Anlass eigener geistiger Spaziergänge nimmt, auf denen ich ihm gern gefolgt bin. So bekommt man einen subjektiven, vielleicht gerade dadurch auch besonders intensiven Blick auf die Stadt an der Ilm.Allerdings kam mir der Abschied von diesem Buch zu früh. Ich wäre gern noch länger mit dem Autor durch Weimar gestreift, hätte mir von ihm noch die ein oder andere Sehenswürdigkeit zeigen lassen, sie mir durch seine Gedanken in einen Zusammenhang mit der großen Zeit der Klassik setzen lassen wollen. Doch auch das zeigt Qualität - wenn es schwer fällt, ein Buch zuzuklappen.