Daniel Paul Schreber wurde 1842 geboren und führte bis 1893 das Leben eines nüchternen Juristen und Richters. Ende 1893 suchte er in der Nervenklinik eines Dr. Flechsig Hilfe wegen Überarbeitung und Schlaflosigkeit. Dort wird er verrückt, das heißt er sieht und hört Dinge, die seine Mitmenschen nicht wahrnehmen. Diese Dinge sind für ihn genauso wirklich wie die reale Welt. Gleichzeitig ist ihm klar, daß ihm das niemand glauben wird, daß man ihn für verrückt hält. Sieben Jahre später beginnt er seine wahnhaften - für ihn realen Erlebnisse - aufzuschreiben. Er ist in der Lage daraus ein Buch zu machen, die 1903 veröffentlichten "Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken" und seine Entlassung aus der Nervenheilanstalt zu erwirken, obwohl er weiter an seinen Wahnvorstellungen festhält.Das Buch bescheibt minutiös und mit großer Klarheit den ganz privaten Kosmos, der sich ihm in den letzten sieben Jahren offenbart hat. Dort erscheinen aus dem Nichts Menschen und verschwinden wieder, kleine Männer sitzen über seinen Augenbrauen und schließen ihm die Lider, die Sonne spricht mit ihm genauso wie Vögel, die Gott zu diesem Zwecke eben aus dem Nichts erschaffen hat. Überhaupt hört er ständig Stimmen, nie hat er Ruhe. Mit seinem Körper geschehen merkwürdige Dinge, so verschwindet zeitweise sein Magen, so daß er ohne ihn verdauen muß, zwei kleine Männer, einer davon in der Gestalt des Dr. Flechsig reißen sein Rückenmark heraus. Doch er erlebt auch schöne Dinge. All diese Erlebnisse, ob schöne oder häßliche stehen für ihn in einem größeren Zusammenhang, einer Art Religion, einem nur ihm erfahrbaren Mythos.Über all dem bricht er nicht zusammen, bleibt immer noch er selber, der nüchterne Jurist und Verstandesmensch behauptet sich in diesem Einbruch des Irrationalen, des Wahns. Und dieser Wahn hat Methode, sein privater Kosmos entwickelt sich und Schreber, der einzige Bewohner dieser inneren Welt mit ihm. Er richtet sich immer besser in ihr ein. So gut, daß er nun der Außenwelt von ihr berichten will, auf daß auch sie erfahre, was ihm offenbart wurde.Nun lese und staune, wer das Staunen noch nicht verlernt hat.Ich habe das Buch übrigens nicht als beängstigend empfunden oder etwas, das man sich vom Leib halten müßte. Dazu ist es einfach zu interessant. Verwunderlich ist aber, daß es nicht mehr Rezensionen dazu gibt. Es müßte doch für Psychologen eine höchst lehrreiche Lektüre sein.
Daniel P. Schreber stellt sehr interessante und detaillierte Beobachtungen zu seinem Nervenzustand da. Zum Teil ist seine Darstellung so klar und sachlich, dass man als Leser am Krankheitszustand des Autors zweifelt. Sprachlich gesehen ist das Buch für Menschen, die nur Leien im Gebiet Psychologie sind, gut verständlich. Die Textlänge könnte anfangs etwas entmutigend sein, aber es lässt sich durchaus schnell lesen.