Berlin 1923: Die Berliner Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen - nichtsahnend, dass bald wieder ihre ermittlerischen Fähigkeiten gefragt sind. Denn kurz darauf verschwindet das Neugeborene der jungen jüdischen Familie. Zur gleichen Zeit fahndet die Berliner Polizei nach skrupellosen Kinderhändlern. Gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang? Hulda Gold und Kriminalkommissar Karl North begeben sich auf eine gefährliche Spurensuche..."Fräulein Gold - Scheunenkinder" stammt aus der Feder von Anne Stern und ist der zweite Teil ihrer Fräulein Gold- Reihe. Eine gelungene Fortsetzung und ein spannender Mix aus Krimi, Medizin und Historie, der mir einige unterhaltsame Lesestunden bescherte.Schnell war ich wieder mittendrin im Geschehen, das mit einem Prolog aus dem Jahr 1902 beginnt. Die eigentliche Handlung spielt dann von Oktober bis November 1923 - in einer Zeit, die geprägt ist von Hyperinflation, Armut, Elend, Hunger und zunehmendem Judenhass. Erneut überzeugt die Autorin mit ihrer bildhaften, lebendigen und atmosphärischen Schreibweise aus mehreren Perspektiven. Ich fühlte mich ins historische Scheunenviertel von Berlin versetzt - damals ein buntes Viertel verschiedener Kulturen und Zentrum der ostjüdischen Auswanderung. Von dem einstigen ostjüdischen Zentrum ist leider heute nicht mehr viel übrig, denn es wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerstört.Anne Stern punktet zudem mit ihren Haupt- und Nebenfiguren, die allesamt sehr vielschichtig, authentisch und interessant angelegt sind. Hebamme und Ermittlerin Hulda ist eine mutige, kluge, selbstsichere und starke Protagonistin, die ich wieder gerne begleitet habe. Sie begibt sich hier nicht nur auf die Suche nach einem verschwundenen Kind, sondern auch auf die Suche nach sich selbst. Hulda muss sich ihrer jüdischen Herkunft stellen, ihrer Vergangenheit, ihren Beziehungen, vor allem zu Kriminalkommissar Karl North, und auch ihrer Zukunft.Ich fühlte mich durchweg gut unterhalten, auch wenn die Ereignisse am Schluss vielleicht etwas zu schnell abgehandelt werden. Dafür gibt es ein hoffnungsvolles Ende, eine vielversprechende Entwicklung im Epilog sowie ein informatives Nachwort. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung "Fräulein Gold - Der Himmel über der Stadt", von der bereits eine Leseprobe mit abgedruckt ist.Insgesamt kann ich daher "Fräulein Gold - Scheunenkinder" empfehlen. Ein unterhaltsamer historischer Krimi mit viel Hebammen-Frauenpower vor Berliner Kulisse, für den ich 5 Sterne vergebe.