★★★★★
k.A.
08.06.2026
ean-shopping.de
Ein faszinierender Roman, der die historische Tiefe der Zeit hervorragend einfängt, auch wenn die Handlung an einigen Stellen etwas zu dicht wirkt.
Wer Selinkos Buch "Désirée" kennt, wird auch dieses Buch lieben. Désirée Clary wurde 1777 in Marseille als jüngste Tochter eines Seidenhändlers geboren. Sie verlobte sich mit Napoléon, wurde dann aber später die Frau von Jean- Baptiste Bernadotte, dem späteren König Karl XIV. Johann von Schweden. Damit begann die Dynastie der Bernadotte.Désirée stammte aus einer wohlhabenden Familie in Marseille. Ihr Vater François handelte mit Seide und hatte es zu großem Reichtum gebracht, wodurch die Familie Clary ein hohes Ansehen genoss. Ein Zufall war es, der sie zu Napoleon führte. Ihr Bruder saß im Gefängnis und bei dem Versuch, seine Freilassung zu erreichen, lerne sie die arme Auswandererfamilie Bonaparte kennen, zunächst Napoleons Bruder Joseph. Sie stellte ihn ihrer noch unverheirateten Schwester Julie vor und aus den beiden wurde ein Paar. Désirée selbst aber verliebte sich in Josephs Bruder Napoléon und war von 1795 bis 1796 mit ihm verlobt. Da aber Désirée von Napoléon enttäuscht wurde, ging die Verbindung bald wieder auseinander. Er lernte in Paris die Witwe Joséphine de Beauharnais kennen und heiratete diese am 9. März 1796. Getröstet wurde Désirée in dieser Situation von Napoléons General, Jean Baptiste Bernadotte, der sie davon abhielt, durch einen Sprung in die Seine Selbstmord zu begehen. Schließlich heirateten die beiden am 17. August 1798. Ihr Sohn Oscar kam ein Jahr später zur Welt. Jean Baptiste Bernadotte war eine einflussreiche Person in Frankreich, sein Verhältnis zu Napoléon war jedoch gespannt.In Schweden war in jener Zeit die königliche Nachfolge in Frage gestellt. Die schwedischen Fürsten hatten ein gutes Verhältnis zu Bernadotte und Vertrauen in ihn. So adoptierte ihn das kinderlose schwedische Königspaar als Kronprinz unter dem Namen Karl Johann. 1818 wurde er zum König gekrönt und somit wurde Désirée unter dem Namen Desideria Königin von Schweden und Norwegen.Désirée jedoch fühlte sich in Schweden nicht wohl, das Klima war ihr zu kalt, sie konnte in diesem Land nicht heimisch werden. Auch ging es hier am Hof zu steif zu. So entschloss sie sich, nach Frankreich zurückzukehren, auch wenn ihr Sohn in Schweden aufwuchs und sie ihn über Jahre nicht sah, was sie sehr belastete. Bis 1823 lebte sie getrennt von ihrer Familie in Frankreich als „Gräfin von Gotland“. Erst zur Hochzeit ihres Sohnes Oscar reiste sie dann am 19. Juni 1823 wieder nach Schweden, lebte dann aber getrennt von ihrem Mann auf Schloss Rosersberg bei Sigtuna.1860 starb sie nach einem Theaterbesuch ganz plötzlich auf der Treppe des Stockholmer Schlosses.Ihr Sohn Oscar übernahm später den Thron und das schwedische Königshaus trägt auch heute noch den Namen Bernadotte.Dieses Buch ist ein beeindruckends Porträt einer mutigen Frau.Désirées Verhältnis zu Napoleon und ihr gesellschaftlicher Aufstieg waren der ideale Stoff für die Unterhaltungsindustrie der 1950er Jahre. Der 1951 erschienene Roman Désirée von Annemarie Selinko wurde ebenso zum Bestseller wie der gleichnamige amerikanische Spielfilm von 1954 mit Marlon Brando und Jean Simmons in den Hauptrollen ein Kinoerfolg war.
„Napoleone? Diesen Namen hatte ich noch nie gehört. Aber vielleicht passte der ungewöhnliche Name zu einem Mann, der sich ungewöhnlich benahm.“„Désirée – Im Herzen der Revolution, im Herzen Napoleons“ ist eine historische Romanbiografie von Allison Pataki über Désirée Clary.Sie erschien im Februar 2023 im Aufbau Verlag.In Allison Patakis Roman geht es eigentlich um Désirée. Sie lernt Napoleon, der damals noch Napoleone hieß, mit 16 Jahren kennen und verliert schnell ihr Herz an ihn. Er ist ein eher unkonventioneller und armer Korse, sie ein Pariser Mädchen aus gutem Haus. Er umgarnt sie mit seiner einnehmenden Art, wobei schnell deutlich wird, dass diese sehr besitzergreifend und dominierend ist. Trotzdem ist Désirée verliebt und Heiratspläne werden geschmiedet. Napoleone jedoch ist ein Mann, der stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Er liebt die Macht, er möchte glänzen und Frankreich beherrschen. Die zurückliegende Französische Revolution ist seine Chance und schnell steigt er in der Macht auf. Désirée lässt er dabei nicht los, doch seine Frau wird sie trotzdem nicht... Miteinander verbunden bleiben sie vor allem durch die Hochzeit von Désirées Schwester Julie und Napoleons Bruder, Joseph und obwohl Désirée eigentlich ihren eigenen Weg geht, mischt Napoleon sich ständig in ihr Privatleben ein.Der Roman wird rückblickend von Désirée selbst erzählt und beschreibt die Ereignisse zwischen 1811 – 18xx. Désirée macht dabei für mich einen sehr zurückhaltenden und scheuen Eindruck. Sie wirkt wie ein Spielball Napoleons, auf den er nicht verzichten kann, den er aber eben auch nicht haben kann oder auch will. Ständig beeinflusst er ihr Leben und durch seine immer stärkere Machtposition kann sie sich ihm nur schlecht entziehen.Der Roman zeichnet ein Bild von dem „kleinen Korsen“, das ich absolut abstoßend fand. Napoleon ist stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht, ist machtgierig und handelt absolut willkürlich. Er ist ein unglaublich guter Beobachter, aber auch jemand, der die Menschen ausspielt. Er stellt Fragen, auf die er die Antwort bereits weiß und stellt so jedem in seiner Umgebung Fallen. Auch Familie und Freunde sind davor nicht gefeit und stets hatte ich eine Gänsehaut und ein ungutes Gefühl, wenn er in den jeweiligen Szenen auftauchte.Der Schreib- und der Erzählstil des Romans haben mir gut gefallen. Die rückblickende Ich-Perspektive wirkt authentisch und zeigt, wie sehr Désirée die Erlebnisse einer aufregenden und unsteten Zeit geprägt und beschäftigt haben. Leider konnte mich die Geschichte, die ja auf wahren Figuren basiert, dennoch nicht vollkommen überzeugen. Die Handlung ist sehr ruhig und unaufgeregt, wirkliche Spannung kommt leider nicht auf und Désirée ist zwar eine interessante Figur, die unglaublich viele bedeutsame Ereignisse miterlebt hat, für mich aber dennoch sehr blass ist. Ich hätte mir von ihr ein stärkeres Auftreten und eine eigene Meinung gewünscht. Sie lässt sich hin- und her schubsen und andere über ihr Leben bestimmen. Etwas dagegen sagt sie kaum. Sicherlich entspricht dies dem damaligen Zeitgeist und wohl auch Désirée als Mensch, soweit man es rekonstruieren kann, richtig sympathisch wurde sie mir so allerdings leider nicht.Schließlich stand also eben doch Napoleone Buonaparte, der unbedeutende Korse, der später Napoleon Bonaparte und der wichtigste Mann Frankreichs wurde, im absoluten Mittelpunkt. Ich habe einiges über die Zeit nach der Französischen Revolution gelernt und fand diese historischen Aspekte sehr interessant!Mein Fazit: Allison Patakis Roman über Désirée Clary ist gut recherchiert und insgesamt auch solide umgesetzt. Die Handlung ist sehr ruhig, Emotionen konnten mich leider kaum erreichen. Im Mittelpunkt steht stets Napoleon, der Désirées Leben beeinflusst, solange er lebt. Mir hat ein wenig die starke junge Frau gefehlt, wobei Désirée es auf ihre Art möglicherweise war, ich es aber aus der heutigen Perspektive nicht entdecke. Ich habe einiges über die Zeit von Napoleons Herrschaft gelernt und der Roman ließ sich durch den flüssigen Schreibstil und den eher ungewöhnlichen Erzählstil gut lesen. Von mir gibt es daher 4 von 5 Sternen. Eine Leseempfehlung gebe ich an diejenigen unter euch, die sich mit der französischen Geschichte (oder mit historischen Ereignissen im Allgemeinen) beschäftigen möchten und dies lieber in Romanform, als ich Sachbuchform tun möchten!