"Der Fall Schinagl" von Thomas Buchner ist mehr als ein Kriminalroman. Und auch mehr als ein "Linz-Krimi. Dennoch ist er auch ein Krimi mit allen Zutaten: einer zunächst unbekannten Leiche, einem ungeklärten Selbstmord, zahlreichen Spuren, mehr oder minder begabten Kriminalisten und dubiosen Verdächtigen.Der Roman ist aber vor allem das Psychogramm eines Menschen in einer Zeit der Unsicherheit und Verunsicherung: Bezirksinspektor Steininger, der als Beamter und als Menschen einfach nur sein kleines Leben leben möchte, und durch diesen Fall in eine existenzielle Krise gerät, und zwar beruflich als auch privat. Nicht selten keimt beim Lesen eine vorschnelle Verachtung für sein kleinbürgerliches Dasein auf, doch immer wieder spiegelt sich in diesem Dasein das Ausgeliefertsein, der Überlebenskampf in einer Umbruchszeit, der Nachsicht und Verständnis, ja Mitleid für den Protagonisten aufkommen lässt.Die genaue Kenntnis der Lokalität Linz ermöglicht es dem Autor, diese vergessene und verdrängte Zeit erstehen zu lassen, wobei sich immer wieder Verbindungen zum Heute ergeben, die die Leserin bzw. den Leser nachdenklich machen. Nicht zuletzt gibt es skurrile Situationen, die sich oft erst aus einem lakonischen Kommentar des Autors zu den Geschehnissen erschließen.Die Spannung wird an einigen Stellen auch dadurch gesteigert, dass der Autor ausgehend vom Ergebnis eines Ereignisses dieses rückblendend erzählt und für den zunächst überraschten Leser verständlich macht.Die literarische Qualität wird nicht nur in einer dem Lokalkolorit angemessenen Sprache sichtbar, sondern auch in der über eine reine Beobachtung hinausgehende Beschreibung der Ereignisse, wodurch man Einblick in die seelische Befindlichkeit der Protagonisten erhält, in ihre zunächst banal erscheinenden existenziellen Sorgen, die ihr Leben im So- und nicht Anderssein prägen. Dadurch wird die Zeitgebundenheit aufgehoben und es entsteht ein Spiegelbild menschlicher Existenz.
Was bleibt einem in Erinnerung, wenn man diesen angeblichen Kriminalroman gelesen hat? Die Zahl der Schnäpse oder der Buchteln, die sich der versoffene und verfressene Bezirksinspektor "zugeführt" hat? Oder die Uniform und der Anzug, in die er (kein Wunder!) nicht mehr hinein passt? Eine "Handlung" die getragen wird von flachen und klischeehaften Charakteren, wobei es in den Reihen der Polizei nur entweder Idioten (die höheren Vorgesetzten), Phäaken (ein Teil der Ermittler) und verkappte Nazis (der andere Teil der Ermittler) gibt. Und zuletzt - ja, man weiss es eigentlich nicht so genau - ist (sind) der Mord (die Morde) nun aufgeklärt worden oder war das nur eine bequeme Lösung im Sinne der "Hahnenschwanzler"? Sehr sehr unbefriedigend - und den zweiten Stern habe ich nur vergeben, weil der Linzer Lokalkolorit ganz gut getroffen wurde. Aber sonst - echt nicht!!