Die hier versammelten Aufsätze bieten einen gut lesbaren Zugang in das Denken des einflussreichen Kommunisten Georg Lukacs. Sie sind chronologisch geordnet und umfassen die Schaffensperiode von 1910 bis 1971 (wobei es sich bei den aus dem Jahren 1971 stammenten Beiträgen um ein Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL bzw. einen Brief an einen Herrn Crook über die Lukacs verbundene Budapester Schule und von ihr angestossene Fortentwicklungen handelt).Die von den Herausgebern Dannemann und Honneth vorgenommenen Kapitelüberschriften ("Der Ästetizist - Frühwerk"; "Der Parxisphilosph - Das marxistische Frühwerk"; "Der Polemiker - Die mittlere Phase"; "Der Ontologe - Das Spätwerk") bieten eine sehr prägnante Orientierung, wozu insbesondere auch die vorangestellte Einleitung beider Herausgeber äusserst nützlich ist.Die ewähnte Gliederung belegt schön die intellektuelle Spannbreite von Lukacs. Ohne Frage enthält das Buch eine Vielzahl gründlich durchdachter Analysen zur Möglichkeit bzw. aus Sicht von Lukacs Notwendigkeit von Geschichtsteleologie. Letztlich ist sein Analyseinstrument jedoch sehr beschränkt. Er sieht alles durch die Brille des Marxismus. Und während diese Brille für ihn offenbar zu klarsichtiger Erkennnis führt, bleibt er doch merkwürdig befangen in simplifizierenden Erläuterungen und das, obwohl er sich mehfach auf komplexe und kontingente Bewegungsgesetze beruft. Das die Entwicklung ihn mehrfach widerlegt hat, hätte er schon zu Lebzeiten stärker reflektieren können - er hat sich durchaus korrigiert, nie jedoch im Grundsätzlichen. Auch wenn heute viele eine Renaissance Marxschen Denkens sehen wollen, bleibt die (auch von Lukacs konstatierte) Tatsache, dass die Wirklichkeit heute mit dem Ausgangspunkt von Marx nicht mehr viel gemein hat. Das Proletariat ist weitgehend verschwunden. Natürlich gibt es auch weiterhin ökonomische Abhängigkeiten, nur eine alles gleichmachende ideologische Abstraktion kann dies übersehen.