Vorab zur Beruhung: Es ist ein Werk mit Wittgensteins Philosphie, nicht eines der Unzähligen über Wittgenstein. Genausogut hätte man Austin als philisophische Referenz im Untertilel angegeben können, zur Vollständigheit halber Moore, mit denen Cavell oft im Widerspruch zu ihnen philosophiert. Was macht das Werk lesenswert für jemanden, der es nicht aus professionellen Gründen zur kenntnis nehmen muß ? Das Verständnis wird nicht unnötig erschwert durch Anhäufung von Fachtermini und Fremdwörter, Cavell schreibt (fast) ohne Sie. Durch seinen diskursiven Stil hält er den Text lebendig, wägt nicht nur Pro und Contra ab, sondern versetzt sich wie in literarischen Texten in seine Gegenspieler hinein und schreibt aus ihrer Perspektive. Ähnlich wie Wittgenstein versucht er weniger dem Leser ein fertiges Theoriegebäude zu präsentieren, sondern diesem eine Anleitung zu richtigem eigenem Denken an die Hand zu geben. Von Cavell kann man lernen, wie man Fragen richtig stellt bzw. sie als unsinnig zurückzuweisen, indem man möglichst viele Facetten der Frage und Antworten reflektiert auch und gerade sich den Sprecher der Frage imaginiert, was dieser mit der Frage im Sinne der Austinischen Sprechakttheorie artikuliert. Letztendlich ist der Sprecher das Selbst des Philosophen, z.b. Cavell hält sich nicht vornehm aus dem Text heraus, er referiert dem Leser den Ausgangspunkt seines Denkens: seine (philosophische)Intuition und appelliert auf diese (und andere Weise)an den Leser, selbst über das Problem nachzudenken.Wer erwartet, ein fertiges Theoriegebäude mit diesem Buch präsentiert zu bekommen wird sicher enttäuscht werden, wer eine Vielzahl von orginären Denkanstössen auf unterschiedlichsten Gebieten möchte sollte sich auf dieses Buch einlassen, es lohnt sich.