Ich hätte bei dem gegenüber der Papierausgabe deutlich besseren Preis vielleicht darauf kommen können. Auf der anderen Seite wird hier, wenn man die Rezensionen liest, von ca. 300 Bildern geschwärmt, sodass ich dachte, diese Kindle-Ausgabe sei bebildert. Ist sie aber nicht! Ich habe also etwas "unbesehen" gekauft. Dann lese ich:"Das Bildmaterial der Printausgabe ist in diesem E-Book nicht enthalten."So heißt es am Anfang und am Schluss. -- Ich finde, dass, wenn sich E-Book und Papierausgabe in einem so wichtigen Punkt unterscheiden, auch zwei getrennte Angebote mit getrennten Rezensionen bei Amazon stehen sollten. Die zwei Sterne wegen dieser, nennen wir die Sache mal so: latenten Irreführung.
Dieses Buch ist wahrlich ein Geschenk, sowohl zum 100. Geburtstag von Max Frisch (am 15. Mai 2011) als auch für alle Max Frisch-Freunde/-innen. Das Buch vermittelt insbesondere bei dem so reichhaltigen Bildmaterial einen wahrhaft tiefen Einblick in das Leben des Kindes, Jugendlichen, Soldaten, Architekten, Zeichners, Schriftstellers, Sportlers, Ehemanns, Vaters und politisch so engagierten Menschen. "Sein Leben in Bildern und Texten" wird hier wirklich authentisch dargestellt, wobei es auch eine große Anzahl von schwarz-weißen sowie farbigen Fotos gibt, die so noch nicht veröffentlicht worden sind.Auf den über 250 Seiten wird man eingeführt in die "Heimatlosigkeit" des Schriftstellers und einige autobiographische Bezüge seiner Werke. Interessant eingeführt wird diese von Volker Hage zusammengestellte Biographie mit einer treffenden, teils sehr aktuellen Einleitung zum Verhältnis Max Frischs zur Fotografie. Sein Leben selbst wird dann in vier große Abschnitte eingeteilt:1. Ein halbes Jahrhundert Zürich: 1911 - 19602. Raus aus der Schweiz - und wieder zurück: 1960 - 19703. New York und die Berliner Jahre: 1970 - 19804. Leben in den USA und "Altersheim de luxe" in Zürich: 1980 - 1991.Jedem Abschnitt gehen informative Ausführungen zu den Lebensabschnitten voraus, die sich jedoch nicht zu sehr um Einzelheiten kümmern, sondern das Lebenswerk Frischs an sich in den Mittelpunkt stellen. Bei den rund 300 Fotos erhält man ungewöhnlich viele Detailinformationen, welche die Zuordnung der Bilder erleichtern.In dem, wenn auch mit acht Seiten, sehr knappen Exkurs "Der Andere: Frisch und Dürrenmatt" wird auf das Verhältnis des Schriftstellers Max Frisch und des Schriftstellers und Dramatikers Friedrich Dürrenmatt zueinander näher eingegangen.Leider fehlen in der Biographie Hinweise darauf, wie die Welt auf den Tod Max Frischs im Jahre 1991 reagiert hat. Hier wären Informationen zur Trauerfeier bzw. zu den Nachrufen hilfreich gewesen. Dennoch endet die Biographie typisch mit dem Textauszug "Ohne Foto: das letzte Haus".Im 40seitigen Anhang nimmt die erstmals vollständige Transskription der am 30. August 1981, im März und September 1982 von Volker Hage mit Max Frisch geführten Gespräche fast die Hälfte ein und damit eine überragende Rolle. Hier wird man noch einmal authentisch an die Gedankenwelt des Schweizer Schriftstellers herangeführt.In der sechsseitigen Chronik werden wesentliche Daten und Ereignisse aus dem Leben und Schaffen Max Frischs chronologisch beschrieben. Das Buch endet mit den Literatur- und Bildnachweisen, ohne dass es noch einmal einer klaren Werkauflistung gegeben hätte. Hier hätte man sich eine vollständige Liste der Werke und eine Auswahl an Sekundärliteratur gewünscht.Alles in allem aber eine würdevolle Darstellung von Max Frisch, die in Bild und Text wirklich überzeugend sein Leben und Werk in wesentlichen Punkten beschreibt.Und so ist auch das Portrait auf der Umschlagseite ungemein treffend mit seinen Licht- und Schattenanteilen: eine erhellende Biographie!