Zum Inhalt möchte ich nicht viel sagen um nicht zu spoilen. Auch wenn die Geschichte wenig Überraschungen birgt ist sie doch nicht schlecht; sie wirkt Realitätsnah und wirkt trotz der gewöhnungsbedüftigen Art eines Briefromans anziehend bis fesselnd.Prosatexte von Goethe hatte ich noch nicht gelesen bis Werther, also war ich etwas enttäuscht von der nüchternen Sprache, die dann zwischendurch doch aufzublühen versteht. Durch die sehr persönliche Form des Briefes fühlt man sich angesprochen und manchmal, wie ich finde, zu sehr reingezogen um als Brief glaubhaft zu sein. Ist aber nur eine subjektive, formale Kleinigkeit.Die Sprache ist eigentlich gut verständlich, auch für Lyrikhasser, da es ja auschließlich in Prosa geschrieben ist. Allein die Zeichensetzung mag hin und wieder verwirren, da Ausrufezeichen z.B. schonmal im Satz stehen, einfach um die Emotionen zu verdeutlichen, aber der Satz ist an dieser Stelle dann nicht zuende. Mich hat es an manchen Stellen verwirrt, aber noch vor dem Ende dieses leider dünnen Büchleins kann man sich daran gewöhnen.Wie im Titel erwähnt ist Werther keine Person die bei jedem Menschen auf Empathie und Verständnis treffen wird; andere Rezensionen zeugen davon ja bereits. Ich konnte mich überwiegend gut mit Werther identifizieren, kann aber verstehen, dass es Leute gibt die nicht so leidenschaftlich und selbstlos in Liebe sich vertiefen mögen. Also Schmachtalüren und, bis zum Ende hin unrationalen, entzugserscheinungsähnlichen, liebestaumelnden, Hinundhergezweifel sollten einem nicht gänzlich fremd sein, will man Die Leiden des jungen Werther gut finden.Zum Abschluss ein Wort zur Ausgabe:Das rote Leder wirkt sehr schön edel - die hellgraue Schrift vorne und an der Seite passen für meinen Geschmack nicht ganz so gut.Ein Bandlesezeichen ist drin. Die Seiten sind aus hochwertigem, etwas dickerem Papier. Nett finde ich die abgerundeten Ecken.Es ist zwar die teuerste Ausgabe die ich hier gefunden habe, für jemanden wie mich, der Bücher aber gerne auch im Regal zum "Schönaussehen" stehen hat (nach dem man sie gelesen hat natürlich), ist diese Ausgabe sehr geeignet. Zusätzliches Material ist nicht enthalten, falls man es also in der Schule behandelt sollte man zu einer anderen Ausgabe greifen. Wer ein Buch jedoch nur mal so liest und sich nichts draus macht was weiter damit geschieht, ist mit einer Bibliothek oder einer Reklamausgabe wohl besser bedient - der Inhalt ist schließlich stets der gleiche.
Wie Goethe schon als kleines Vorwort schrieb, kann ich ihm als Leserin nur zustimmen: Man kann in diesem Briefroman einfach nicht umhin mit dem jungen Werther mitzuleiden. Er glaubt Lotte zu lieben, obwohl sie Albert gehört und sich später mit ihm verheiratet. Er läuft ihr dauernd hinterher, versucht sie zu betören und an sich zu nehmen, doch sie kann und will es nicht. Heute würde man sagen, Werther wäre ein Stalker, doch damals gab es den Begriff noch nicht. Ich habe mit der Figur wirklich mitgelitten, als seine Liebe nicht erwidert wurde. Auch wenn es eine Liebe war, die er sich nur eingebildet hat, er hat alles mögliche in Bewegung gesetzt um Lotte zu erobern... bis er merkte, dass er keine Chance mehr hat, unerwünscht ist und sie nichts mehr von ihm wissen will sobald sie mit Albert verheiratet ist; da bringt er sich dann um!Ein Stück Weltliteratur in Form eines Briefromans aus Goethes Feder entstanden und aufgenommen in die Liste von "Das Buch der 1000 Bücher".Ich habe es freiwillig gelesen und ein Jahr später in der Schule bearbeitet, es mag für junge Leute so wirken als ob es langweilig geschrieben wäre, doch man muss sich schlichtweg an den Stil Goethes gewöhnen, genauso wie an den Stil von Jane Austen beispielsweise. Es ist nur eine Frage der Übung, des Wissensdurstes und der Liebe zum Lesen.Von dem her kann ich auch Jugendlichen dieses Buch empfehlen, es ist immerhin so geschrieben, dass ich persönlich während des Lesens tiefste Empathie entwickelt habe.~Bücher-Liebhaberin~