Wer ein 1/72er Modell eines der berühmtesten Flugzeuge des Zweiten Weltkriegs bauen will, wird wohl in erster Linie an Hasegawa, Tamiya oder Airfix denken. Allerdings ist der Bausatz des koreanischen Herstellers Academy durchaus konkurrenzfähig, die Oberflächen scheinen mir von der Detaillierung eher besser zu sein als bei der allgemein hochgelobten, neuen P-51D von Airfix. Es gibt fein gravierte Blechstöße und Nietreihen, ein ordentliches Fahrwerk und separate Landeklappen. Das Cockpit ist etwas einfach gehalten, aber für den Maßstab OK; das Armaturenbrett sollte man anmalen, denn das beiliegende Decal ist für mein Empfinden ziemlich unbrauchbar. Das Visier hat man leider weggelassen. Daneben scheint mir der einzige ernsthaftere Schwachpunkt der Auslaß für die Kühlerluft auf der Rumpfunterseite zu sein, der an den Rumpf angegossen ist und bei dem die Öffnung fehlt. Das lässt sich aber mit einem scharfen Bastelmesser beheben. Die Cockpithaube ist zweiteilig, sauber und schlierenfrei gegossen; warum die Schiebehaube zwei mal dabei ist, wird in der Anleitung nicht erklärt (sie ist evtl. für die Koreakrieg-Version, die es auch von Academy gibt). Positiv sind die zwei verschiedenen Sorten von Abwurftanks. Schwachpunkt wie so oft bei Academy sind dagegen die Decals. Sie sind zwar nicht komplett unbrauchbar, wie ich es bei anderen Bausätzen schon erlebt habe, aber die Druckqualität ist allenfalls mittelmäßig, was vor allem bei den Abschussmarkierungen zu sehen ist. Die Hakenkreuze in den Fähnchen sind als solche eigentlich nicht erkennbar und außerdem versetzt gedruckt. Die roten Bänder an der Nase sind zumindest auf der (vom Cockpit aus) linken Seite nicht in der vorgegebenen Weise zu plazieren, da zu kurz geraten. Außerdem fehlen die Wartungshinweise fast komplett. Die Anleitung ist ziemlich karg, aber für den Bau ausreichend. Leider gibt es auch keine Informationen über die baubare Version. Es handelte sich um die "Mustang" von Col. Gordon M. Graham, Kommandeur der zur in England stationierten 8th Air Force gehörenden 335th Fighter Group, mit Markierungen für 16 Abschüsse. Die Bemalungshinweise sind insofern falsch, als der untere Bereich der Nase weiß gestrichen und nicht - wie hier gezeigt - in Natur-Aluminium gehalten war. Abgesehen von diesen Kritikpunkten handelt es sich aber um einenen gelungenen und gut baubaren Bausatz, zu dem man sich allerdings andere Decals besorgen sollte.
Die Paßgenauigkeit ist mäßig. Besonders am Einlaß an der Rumpfunterseite mußte ich lange schleifen, bevor die Einlaßöffnung einigermaßen symmetrisch war. Auch das Cockpit habe ich nicht auf Anhieb in den Rumpf hineinbekommen und mußte nachschleifen. Die Teile möchten sorgsam entgratet werden und sehen ohne Nacharbeit etwas "verwaschen" aus, weil meines Erachtens die Kanten nicht immer scharf genug ausgeführt sind.Beim Cockpit hat sich der Hersteller sichtlich Mühe gegeben und mit 10 Teilen ist es für den Maßstab sogar relativ komplex (das Cockpit meiner letzten Bf-109 von Airfix war deutlich einfacher gebaut). Allerdings ist das Ergebnis nicht sehr authentisch geraten, wenn man es mit Bildern des Vorbilds vergleicht. Leider ist auch kein Pilot dabei, was bei "fliegender" Auführung mit eingezogenem Fahrwerk etwas doof aussieht.Die Detaillierung ist insgesamt ok. Die Mustang hatte ein extrem glattes Finish, weshalb die meisten Nachbildungen eher zu stark detailliert sind. Allerdings fanden sich auf der Oberfläche winzige Erhöhungen und Kratzer, da war die Form wohl nicht mehr in bestem Zustand.Gefallen hat mir die Konstruktion der Nase: Damit kann der Propeller komplett zusammegebaut und am Schluß eingesetzt werden. Dadurch stört er nicht beim Zusammenbauen und Airbrushen.Beigelegt sind 15 Decals; zum Teil recht grob ausgeführt (das Armaturenbrett ist schaurig) und bei einem fehlte ein Stück. Auch hier: kein Vergleich mit Airfix, da sind auch mal 50 Decals dabei von denen manche erst unter der Lupe zu erkennen und dann auch noch lesbar sind.Die Farben sind nur mit Namen angegeben, nicht ein einziger Code von irgendeinem Hersteller. Im Internet findet man zwar Information, aber es nervt gehörig und was sucht man, wenn der Name lautet "grün, rein"?Ich habe den Bausatz für 7,99 in einem Berliner Bastelladen gekauft weil ich mal was von "Academy" ausprobieren wollte. Im Vergleich mit der Qualität die Airfix für den gleichen Preis bietet hat es sich nicht gelohnt. Für Anfänger kann ich den Bausatz wegen der mangelhaften Paßgenauigkeit auch nur bedingt empfehlen.